Das Intraview: Der Zwillings-Schock?!

Dann beginne ich mal mit meinen Selbstgesprächen 🙂 In den Intraviews stelle ich mir Fragen, die mich bewegen oder bewegt haben. Und vielleicht helfen sie ja auch euch — wenn die Fragen euch Denkanstöße geben oder ihr euch in den Antworten wieder findet. Fangen wir ganz vorne an: Heute geht es um den Moment, in dem wir erfahren haben, dass wir Zwillinge bekommen.

Habe ich mir Zwillinge gewünscht?
Nein. Das habe ich definitiv nicht. Ehrlich gesagt bin ich in meinem ganzen Leben nicht eine Sekunde auf die Idee gekommen, dass ich Zwillinge bekommen könnte. Zwillinge liegen bei uns nicht in der Familie und so war das für mich etwas, was anderen Leuten passiert. Seit der Schwangerschaft vertrauen mir immer mehr Freundinnen und Bekannte an, dass sie sich immer Zwillinge gewünscht haben (etwa genauso viele sagen ganz taktvoll, dass es für sie der Albtraum wäre). Ich finde das total spannend, weil auf meinem persönlichen Lebensradar bis zu diesem einen Tag im Juni 2013 keine Zwillinge existierten.

Wann haben wir es erfahren?
Das war in der 12. Schwangerschaftswoche. Vorher hatte ich schon zwei Untersuchungstermine mit Ultraschall und beide Male war nichts Auffälliges zu erkennen. Mein Mann war dabei, weil die Frauenärztin angekündigt hatte, dass wir vermutlich Herztöne hören könnten. Und das konnten wir auch. Wir sahen ganz deutlich unser kleines Würmchen und hörten das beruhigende Bubbern. Es war ein toller Moment für uns … bis die Frauenärztin plötzlich innehielt und „Oh“ sagte. Sofort stieg  Panik in mir auf. War etwas mit dem Baby nicht in Ordnung? Ich kann diese Angst noch heute nachfühlen. Doch dann kamen die Worte, die unser Leben verändern sollten: „Da ist ja noch eins.“

Wie habe ich auf die Nachricht reagiert?
Ganz ehrlich? Wir standen im klassischen Sinne unter Schock. Die Nachricht war für mich so abwegig, dass ich sie gar nicht wahr haben wollte. Erst dachte ich wirklich, die Ärztin mache einen Scherz und würde gleich anfangen zu lachen. Als sie es nicht tat, fingen mein Mann und ich an zu lachen —richtig albern und hysterisch. Wir suchten nach einer versteckten Kamera und haben und gar nicht mehr eingekriegt. Die Ärztin wusste sich auch nicht mehr zu helfen und sagte: „Sie sehen doch selbst, dass da zwei sind“. Ja, das sahen wir. Glauben konnte ich es trotzdem nicht!

Kam dann sofort die Freude?
Nicht wirklich. Eher hielt der Schockzustand an. Mein Kopf schwirrte, ich wusste gar nicht, wohin mit meinen Gedanken. Wir hatten unser Leben immer mit einem Kind geplant. Ich liebe meine Arbeit und wollte direkt nach dem Mutterschutz wieder sanft einsteigen. Alles war perfekt geplant und die Zwillingsnachricht schien das alles über den Haufen zu werfen. Wie sollten wir das mit zwei Babies schaffen? Wo bleibt überhaupt ein zweites Kind, während man eines auf dem Arm hat? Meine Gedanken drehten sich sofort um ganz praktische Probleme und das alles erschien mir kaum zu bewältigen. Als wir die Praxis verließen, waren wir immer noch sprachlos. Ich brauchte dringend Pommes! Und so verbrachten wir die nächste Stunde im Imbiss, lachten immer noch hysterisch und wussten nichts mit uns anzufangen.

Muss ich mich für diese Reaktion schämen?
Ich glaube nicht. Und ich will auch nicht. Schließlich heißt der erste Schock nicht, dass ich die Babys nicht gewollt hätte. Es kam nur so überraschend und mir war sofort klar, dass da etwas Großes passiert. Leider war das Große auch unbekannt und das machte mir Angst.  Einige Tage lief ich wie Falschgeld durch die Gegend. Ich sammelte die ersten Informationen über Zwillinge und versuchte, mir das Leben mit dem Doppelpack realistisch auszumalen. Und nach drei oder vier Tagen machte es Klick: Ich verstand, dass uns etwas ganz Besonders passiert. Und das manchmal etwas Einschneidendes passieren muss, um uns klar zu machen, dass wir nicht alles planen können. Wie heißt es so schön: Manchmal bekommt man nicht das, was man sich wünscht, weil man etwas Besseres verdient hat. Ich glaube daran, dass es bei uns genau so war. Ich empfinde es als außergewöhnliches Glück, gleich zwei Babys zu bekommen und aufwachsen zu sehen. Und es erfüllt mich mit Stolz, dass wir das erleben dürfen. Um nichts in der Welt würde ich das eintauschen!!!

Eure Ella

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5 Gedanken zu „Das Intraview: Der Zwillings-Schock?!

  1. Der Text könnte original auch von mir stammen. Bis zur 12. SSW habe ich auch
    ein Baby erwartet, dann der große Schock und später das begreifen, dass da etwas ganz tolles passiert!

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  2. Mir ging es ähnlich – happiness und hysterie. Ich hab mehr als ein paar Tage gebraucht, und weil unsere Mäuse noch nicht geboren sind, hab ich manchmal immer noch Angst vor der großen Aufgabe. Trotzdem will ich es schon jetzt nicht mehr anders haben. Und solche Sätze machen mich dankbar und glücklich: „Manchmal bekommt man nicht das, was man sich wünscht, weil man etwas Besseres verdient hat“.

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    • Genau richtig! Wir müssen uns geehrt fühlen, dass wir dieses Wunder erleben dürfen. Hört sich furchtbar kitschig an. Aber du wirst bald wissen, was ich meine. Und ein bisschen Angst gehört dazu. Ich habe mir vieles vorher so schwierig ausgemalt, dass ich es nachher ganz leicht fand. Das hat doch auch was Gutes 🙂

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  3. Pingback: Mieses Karma | zwillingerig

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