Unerkannt im Netz: Wie wir versuchen, unsere Kinder zu schützen

Vor ein paar Tagen kamen wir in netter Runde wieder darauf: Zeige ich die Gesichter meiner Kinder auf Fotos im Internet oder nicht? Diese Frage scheint mir inzwischen fast zur Glaubensfrage zu werden. Ein neues Trend-Thema, das Mütter nutzen, um sich gegenseitig fertig zu machen — gleich nach Stillen, Impfen und Schlaftrainings. Die einen werden als Rabenmütter bezeichnet, weil sie ihre Kinder vermeintlich gegen deren Willen in die Öffentlichkeit zerren. Den anderen wird vorgehalten, dass auf der Straße doch eh jeder die Kinder sehen könne. Und wie meistens bei diesen umstrittenen Muddi-Themen frage ich mich: Warum sind so viele Mütter so unendlich selbstgerecht, dass sie immer meinen, ihre Einstellung sei die einzig richtige? Warum müssen sie ständig versuchen, andere zu missionieren? Es wird mir ein Rätsel bleiben… Deshalb konzentriere ich mich lieber darauf, die für mich richtige Lösung für das Kinderfotos-im-Netz-Problem zu finden.

Fast täglich zuckt mein Finger über dem Instagram-Symbol, weil mir mal wieder ein Foto der Mädels so niedlich erscheint, dass ich davon überzeugt bin, die ganze Welt habe verdient es zu sehen. Welcher stolzen Mutter würde es anders gehen? Wie die Mädels zuckersüß in die Kamera lächeln, wie ihre Augen funkeln, wenn sie sich freuen und wie sie sich Küsschen geben — alles Motive, die ich nur zu gern angucke und auch ungefragt im Freundeskreis rumzeige 😉 Aber im Internet? Für jeden Bekannten und Unbekannten sichtbar? Davor habe ich bisher immer zurückgeschreckt und werde es auch weiterhin tun. Zwei Überlegungen halten mich davon ab. (1) Ich kann nicht wissen, wer sich meine Bilder im Internet anschaut und wer sie vielleicht sogar speichert. Niemals könnte ich kontrollieren, was diese Menschen mit den Bildern meiner Kinder machen. Ich mag mir gar nicht ausmalen, welche Möglichkeiten es da gibt. Das finde ich einfach nur gruselig.

Fast noch gruseliger, weil realer, finde ich jedoch (2), dass Menschen aus der Region meine Kinder auf der Straße erkennen, mit denen ich noch nie ein Wort gewechselt habe. Die einfach nur über das Internet unser Leben beobachten und so scheinbar immer auf dem aktuellen Stand sind. Mir geht es ja selber so. Erst neulich lief mir im Supermarkt ein kleines Mädchen entgegen und ich dachte: „Das ist doch Mia, die Tochter von dieser einen auf Instagram. Achja, bei der ist heute die Kita zu und sie ist deshalb mit Oma unterwegs. Hat die nicht gestern ihren letzten Milchzahn bekommen?“ In diesen Momenten wird mir fast schlecht, weil ich dieses Verwischen von Distanz und Nähe wirklich unheimlich finde. Geht es euch auch manchmal so?

Aus diesen Gründen habe ich mich dazu entschieden, meine Kinder auf Fotos in diesem Blog nur so zu zeigen, dass man ihre Gesichter nicht erkennen kann. Ich nenne unsere vollständigen Namen nicht und mache auch keine konkreten Angaben zu unserem Wohnort. So hoffe ich, sie ein bisschen schützen zu können. Doch machen wir uns nichts vor: Wer halbwegs solide recherchieren kann und unbedingt hinter unsere Identität kommen will, wird es sicher ohne Probleme schaffen. Sobald ich mich im Internet präsentiere — ob mit echtem Namen und Bild oder nicht — muss ich auch damit rechnen, dass mich jemand erkennt. Aber das wäre dann ein Bruchteil der Leute, die täglich über ein Profil oder einen Blog cruisen. Besser geschützt ist man nur, wenn man gar nichts im Netz teilt und sich aus dieser Welt fern hält. So habe ich den für mich besten Kompromiss gefunden.
Und doch kann ich jede Mutter verstehen, die sich nach reiflicher Überlegung dafür entscheidet, ihre Kinder zu zeigen. Und ich schaue es mir auch gerne an. Ich freue mich über jedes zuckersüße Lächeln, über funkelnde Augen und Zwillingsknutschis. Also bitte weiter so. Jeder wie er mag!

Eure Ella

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2 Gedanken zu „Unerkannt im Netz: Wie wir versuchen, unsere Kinder zu schützen

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