Vorsicht bissige Kinder

Meine Kinder lieben sich. Wirklich. Aber manchmal schlägt die Liebe plötzlich um. Wenn sich die eine Schwester vom Geknuddel und Geknutsche der anderen bedrängt fühlt, geht es los. Dann wird kurz geschubst und geschrien. Hilft auch das nichts, fährt sie nicht die Krallen aus, sondern die Zähne. Kurzum: Sie beißt kraftvoll zu.

Als es das erste Mal passiert ist, war ich fassungslos. Die eine Schwester hatte der anderen doch tatsächlich in die Wange gebissen. Deutlich zeichneten sich die Zahnspuren ab und die Haut war weißlich abgequetscht. Es hat mich wirklich geschockt. Entschuldigt bitte die krasse Wortwahl, aber ich dachte bis dahin, nur A…lochkinder (ja, es gibt sie wirklich) würden beißen. Was war bloß los? Hatte ich irgendetwas falsch gemacht? Die gebissene Schwester schrie wie am Spieß. Die Beißerin sah schuldbewusst zu Boden, machte ‚eiiii‘ bei ihrer weinenden Schwester und hörte sich seelenruhig meine Predigt  an, dass Beißen gar nicht in Ordnung geht. Ganz offensichtlich war nicht nur ich über den kleinen Angriff erschrocken. Sie war selbst geschockt, was sie angerichtet hat und wollte ihre Schwester unbedingt trösten.

Und während sich die Wange meiner Maus von blau über grün langsam gelb färbte, wuchs in mir die Erkenntnis, dass die Beißphase wohl einfach dazugehört. Sie sagt noch nicht viel über den Charakter des Kindes oder die Erziehung der Eltern aus. Sie zeigt einfach, wie hilflos man ist, wenn man sich noch nicht mit Worten wehren kann. Meine Kinder beißen nicht, weil sie schlechte Laune haben oder jemanden nicht mögen. Sie streiten sich nie um Spielzeug und sind auch sonst sehr friedliebend. Sie ticken nur aus, wenn sie sich wirklich körperlich bedrängt fühlen. Wenn die Schwester zu nah auf die Pelle rückt und sie scheinbar alles probiert haben, um sie abzuschütteln — vergeblich. Entschuldigt bitte, wenn auch das krass klingt, aber das kann ich sogar verstehen. Ich bin selbst leicht klaustrophobisch veranlagt und kenne die Panik, wenn einem alles zu eng wird. Dann tut man alles, um aus dieser Situation herauszukommen.

Hab ich also wieder was gelernt und bin ganz nebenbei noch ein bisschen gelassener geworden. Ich mache mir nicht mehr bei jedem Beißversuch Gedanken um das Seelenheil und den Charakter meiner Kinder. Ich erkläre einfach immer wieder, dass Beißen nicht zu unseren Umgangsformen gehörten sollte und helfe Ihnen dabei, andere Strategien zu entwickeln. Ich bin ganz zuversichtlich: Je mehr die Kinder ihre Gefühle mit Worten ausdrücken können, desto schneller können wir auch dem Beißen Lebewohl und auf nimmer wiedersehen sagen.

Eure Ella

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3 Gedanken zu „Vorsicht bissige Kinder

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