Das Intraview: Krabbeln sie schon?

Wir alle kennen das: Kaum redet man mit anderen Müttern, fängt die Fragerei  an. Schlafen deine Babys durch? Krabbeln sie schon? Laufen sie noch gar nicht? … Viele Mütter machen sich scheinbar gar keine Gedanken, welchen Druck sie mit ihren ständigen Vergleichen aufbauen. Wie ich das im ersten Jahr erlebt habe, erfahrt ihr hier.

Wann musste ich meine Kinder zum ersten Mal mit anderen Vergleichen?
Das war bei der Rückbildungsgymnastik. Meine Mäuse blieben zuhause bei Papa, alle anderen Babys kugelten sich in der Mitte des Gymnastikraums — im wahrsten Sinne des Wortes. Die meisten Gleichaltrigen drehten sich nämlich schon allein auf den Bauch und zurück. Meine beiden machten nicht einmal Anstalten, es zu versuchen. Bis zu dem Moment hatte ich noch gar nicht darüber nachgedacht, ob sie sich vielleicht schon drehen müssten. Und gleich in der ersten Stunde, fragten die Mütter sich gegenseitig ab, welche Leistungen ihre Sprösslinge denn so vorzuweisen hätten. Die Muddis mit den scheinbar fitesten Kindern, ergänzten das Ganze mit einem Monolog darüber, wie unglaublich weit ihr Baby entwickelt sei und welch einen Erkundungsgang es habe — ganz als wäre das eine Leistung der Mutter und entsprechend zu würdigen. Ich fand das ziemlich befremdlich. Natürlich wurde ich schon in der Schwangerschaft vor dieser Art des Muddi-Fights gewarnt. Live und in Farbe fand ich es allerdings noch grotesker als ich es mir vorgestellt hatte.

Was hat das mit mir gemacht?
Ich wollte mich auf keinen Fall da reinziehen lassen. Aber ganz ehrlich: Wenn mich jemand fragt, sage ich doch nicht, dass ich nicht darüber reden möchte. Ich antworte natürlich. Und meine Mädels waren nunmal Frühchen und brauchten für alles ein bisschen länger. Das fand ich eigentlich auch gar nicht schlimm . Aber ich ertappte mich selbst dabei, dass ich immer wieder entschuldigend sagte: „Nein, das können sie noch nicht. Sie waren aber auch zwei Monate zu früh.“ Als ob das wichtig wäre?! Als ob ich mich rechtfertigen müsste, dass es nicht an mir und meinen Qualitäten als Mutter liegt. Schrecklich! Ich mochte das gar nicht und habe es doch immer wieder gesagt. Die Fragen und Blicke der anderen Mütter vermittelten mir einfach den Eindruck, als würde mich meinen Kindern etwas nicht stimmen — auch wenn sie gönnerhaft sagten:“Naja, jedes Kind hat sein eigenes Tempo.“ Am schlimmsten fand ich, dass ich aufgrund dieser Vergleiche irgendwann selbst ungeduldig wurde und Angst hatte, dass ich in der Förderung irgendetwas verpassen könnte. Dabei zeigten mir meine Kinder ganz klar, dass sie ganz normal sind und einfach nur Zeit brauchen. Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, gelassener zu sein und das alles komplett an mir abprallen zu lassen.

Änderte sich das irgendwann?
Vor kurzem bekamen wir Besuch von einer Rückbildungs-Muddi mit ihrer Tochter. (natürlich waren auch nette dabei ;-)). Meine Mäuse hatten mit 16 Monaten gerade Laufen gelernt und ich habe mich schon seelisch darauf eingeschworen, bloß nicht nervös zu werden, wenn die Kleine schneller und sicherer rennt und irgendwelche Stunts in Petto hat, an die ich bisher nicht einmal gedacht habe. Doch dann kam es ganz anders: Das kleine Mädchen, dass auch lange vor unseren gekugelt und gerobbt ist, konnte noch nicht laufen. Ich war wirklich erstaunt. Und noch erstaunter war ich, dass es mir völlig egal war. Die erwartete Genugtuung, dass nun unsere Kinder mal früher dran waren, blieb komplett aus. Ich freute mich vielmehr, dass die drei trotzdem schön miteinander spielen konnten. Das hat mich endgültig wachgerüttelt.

Und was hat das Wachrütteln gebracht?
Die Erkenntnis, dass ich mich nie mehr verrückt machen lassen darf, was die Entwicklung meiner Kinder angeht. Die anderen Mütter kann ich nicht ändern. Mich selbst schon. Und deshalb gehe ich jetzt ganz selbstbewusst damit um, was meine Mädels können und was nicht. Und wenn es irgendwie geht, vermeide ich es, andere Mamas nach dem Können ihrer Minis zu fragen. Einfach, weil ich sie nicht in die Situation bringen möchte, sich rechtfertigen zu müssen — oder anzugeben 😉 Natürlich kann mir das als Desinteresse ausgelegt werden. Aber es gibt doch noch so viele andere spannende Dinge an kleinen Kindern, nach denen man fragen kann.

Eure Ella

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2 Gedanken zu „Das Intraview: Krabbeln sie schon?

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