Das Intraview: Mein Leben vorher und nachher

Muss sich das Leben komplett ändern, wenn man Zwillinge bekommt? Natürlich. Es ändert sich alles, weil das Leben einen neuen wundervollen Mittelpunkt bekommt, um den sich alles dreht. Aber muss das alte Leben deshalb komplett verschwinden? Haben Freunde und Hobbys von „vorher“ ausgedient? Bei mir nicht. Mir ist wichtig, die Vorher-Welt und die Nachher-Welt unter einen Hut zu bekommen. Ob das funktioniert, erfahrt ihr im heutigen Intraview.

Wann wurde mir bewusst, dass die Vereinbarkeit von Vorher und Nachher überhaupt ein Thema ist?
Das war schon lange, bevor ich selbst schwanger war. Ich habe mich maßlos über Freunde geärgert, die sich nach der Geburt ihres Kindes total verändert haben. Ich hatte vollstes Verständnis dafür, dass die Zeit knapp war und sie sich erstmal einleben mussten. Ich konnte jedoch nie verstehen, dass sie auch nach Monaten kein anderes Gesprächsthema hatten als ihre Kinder. Ihre Hobbys hatten sie auch fast alle aufgegeben. Und noch schlimmer: Sie waren so selbstbezogen geworden und interessierten sich überhaupt nicht mehr für das Leben anderer. Sie fragten nichts. Sie erinnerten sich an nichts. Das machte mich traurig und ich habe mir geschworen, niemals so zu werden.

Hat dieser Schwur die Realität überlebt?
Ich gebe zu: Wenn man eine frisch gebackene Familie ist, fällt es leicht, sich nur um sich selbst zu drehen. Natürlich haben auch wir das am Anfang gemacht. Aber als wir aus dem Krankenhaus heraus kamen, haben wir versucht, unsere alten Gewohnheiten so schnell wie möglich in unser neues Leben einzubinden. Als die Mädels acht Wochen alt waren, habe ich zum Beispiel wieder mit meinem Klavierunterricht angefangen. Kurz darauf haben wir unsere Mäuse zum ersten Mal allein bei Oma und Opa übernachten lassen und sind ausgegangen — mit Freunden, die keine kleinen Kinder haben. Es war ein schönes Gefühl, zu merken, dass alles irgendwie zusammen passt.

Und wie läuft es heute?
Ich bin selbst überrascht, dass ich mit Kindern fast mehr schaffe als vorher. Wenn ich von der Arbeit komme, gehört meine komplette Aufmerksamkeit den Mädels. Solange sie wach sind spielen wir oder machen Ausflüge. Bis mindestens 18 Uhr ist also ausschließlich Familienzeit. Doch wenn die Kinder im Bett sind — und die schlafen ja zum Glück früh und gut — komme ich dran. Ich habe meine Hobbys in die Abendstunden und ins Haus verlegt, damit sie weiter zu meinem Leben passen. Meistens spiele ich einen Augenblick Klavier, an einem Abend in der Woche kommt mein Lehrer. Ein anderer Abend ist zum Telefonieren mit meiner besten Freundin reserviert und an einem dritten schreibe ich meine Blogbeiträge für die Woche. Zum Sport gehe manchmal abends (wenn meine Mutter aufpassen kann) und am Wochenende während des Mittagsschlafs. Unsere Wochenenden sind meist auf Wochen im Voraus verplant (wir sind nicht so die spontanen Typen 😉 ). Mit Freunden, die auch kleine Kinder haben, treffen wir uns tagsüber alle zusammen. Die Abende sind für Freunde reserviert, die gerade anderes im Sinn haben als Windeln, Kinderspiele und Sprechenlernen. Meist treffen wir uns bei uns zuhause, damit wir nicht immer einen Babysitter brauchen. Und wenn die Kinder im Bett sind, fällt es uns auch gar nicht schwer, mal ein paar Stunden nicht über sie zu sprechen.

Geht das Konzept auf?
Für mich ja. Die Tage sind ziemlich voll, aber sie machen mich glücklich. Wenn es mir irgendwann zu stressig wird, kann ich es ja immer noch sein lassen. Mit diesem Post will ich mich nicht selbst beweihräuchern, weil ich alles organisiert bekomme. Ich möchte vielmehr sagen: Wenn ihr wollt, müsst ihr euer altes Leben nicht aufgeben! Ich habe mich auf jeden Fall gefreut, als ein guter Freund (Pärchen ohne kleine Kinder) nach einem netten gemeinsam Abend ehrlich erleichtert sagte: „Danke, dass ihr so cool geblieben seid.“

Eure Ella

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