Allein, allein: mit einem Zwilling unterwegs

Am Wochenende war es soweit: Wir haben unseren ersten Besuch in der Kinder-Notaufnahme hinter uns gebracht. Die große Schwester meinte, sie könne die letzte Treppenstufe freihändig runtergehen. Konnte sie auch fast. Sie kam aber falsch auf und fiel hin. Danach knickte sie immer mit dem rechten Bein weg. Sie konnte nicht mehr laufen und zeigte auf ihr rechtes Knie: „Aua!“. Dass sie nicht weinte, machte mir noch mehr Sorgen. Sagt man nicht immer: Wenn die Kinder weinen, ist es nicht ganz so schlimm. Ernst wird es erst, wenn sie still sind?!? Naja, ich muss Euch nicht sagen, wie es mir ging. Ich habe mir solche Sorgen gemacht. Sie wollte sich nicht einmal mehr hinstellen lassen. Und das, wo die beiden momentan kaum etwas anderes machen, als quietschend und lachend durch die Gegend zu rennen.

Wir haben noch etwas abgewartet und sind dann doch ins Krankenhaus gefahren — nur die große Schwester, mein Mann und ich. Die kleine Schwester haben wir bei Oma und Opa gelassen. Der Besuch im Krankenhaus an sich war unspektakulär: drei Stunden warten, röntgen, zum Glück nichts gebrochen, mit Verband nach Hause. Komisch war für mich, wieder in dem Krankenhause zu sitzen, in dem wir quasi fünf Wochen gewohnt haben. Die Maus konnte sich natürlich nicht daran erinnern. Ich schon. Klar und deutlich. Während der Wartezeit habe ich so einiges noch einmal durchlebt. Und neben unserer Angst, dass etwas Schlimmeres mit ihrem Bein passiert sein könnte, hat uns eines ganz besonders beschäftigt:

Unsere kleine Maus hat diese ganze Krankenhaussache gar nicht so sehr beeindruckt. Wirklich irritiert hat sie, dass ihre Schwester nicht dabei war. Das war so krass! Alle paar Minuten hat sie nach ihrer Schwester gefragt, ihren Namen gerufen und suchend um sich geguckt. Das hat ihr gar keine Ruhe gelassen. Auch unsere Erklärungen haben sie nicht davon abgehalten, immer wieder den Namen zu rufen. So haben wir das noch nie erlebt! Aber ehrlich gesagt: Wir waren bisher auch fast nie mit einem Kind allein unterwegs. Auf jeden Fall war das so auffällig, dass selbst die Schwestern und Ärzte fragten, nach wem sie da ständig ruft. Am Ende durfte die große Schwester ein Tütchen Trösterli-Gummibärchen für ihre Schwester mitnehmen.

Zuhause angekommen, berichteten Oma und Opa das Gleiche. Die kleine Schwester war bei ihnen ungewohnt ruhig und hat ständig nach ihrem Zwilling gerufen. Jetzt, wo sie sich wieder hatten, wurde erstmal der Verband der Schwester bestaunt und es gab reichlich Küsschen. Es war, als wären beide erleichtert und endlich wieder sie selbst. Unglaublich. Wenn ich es nicht täglich live miterleben würde, könnte ich diese Bindung zwischen eineiigen Zwillingen gar nicht fassen. Und auch jetzt bin ich immer wieder von den Socken.

Unserer Maus und ihrem Knie geht es zum Glück besser — war wohl nur etwas gestaucht. Diese Erinnerung werden wir aber nicht mehr vergessen. Und wir wollen in Zukunft hin und wieder mal was mit einer der beiden allein unternehmen. Einfach um zu sehen, wie sie sich allein verhalten. Das hatte ich mir sowieso vorgenommen, für die Zeit, wenn sie älter sind. Aber wir können uns da ja mal langsam rantasten…

Eure Ella

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