Das Intraview: Baby-Kurse mit Zwillingen

Pekip, Delfi, Babyschwimmen, Musikgarten — die Liste der Babykurse ist schier unendlich. Und viele Mütter fühlen sich unter Druck gesetzt, so viel wie möglich abzureißen. Schließlich wollen sie ihre Kleinen so gut wie möglich fördern und sich nicht vorwerfen lassen, etwas zu vernachlässigen. Doch fragt Euch einmal in einer ruhigen Minute: Welche Kurse muss ich wirklich besuchen und welche kann ich mir getrost schenken. Ich habe mir diese Fragen gestellt.

Gut, es ist schon ein bisschen her. Aber wann habe ich mir das erste Mal Gedanken über Babykurse gemacht?
Zu Beginn der Schwangerschaft. Als ich noch dachte, ich würde nur ein Kind bekommen, fand ich Babyschwimmen und Pekip ganz verlockend. Ich konnte mir gut vorstellen, während der Elternzeit zwei Mal pro Woche mit meinem Baby unterwegs zu sein. Doch mit Zwillingen stand dieser Plan Kopf. Ich fand die Vorstellung anstrengend, das Programm mit zwei Kindern zu absolvieren. Also hakte ich das eigentlich direkt wieder ab. Dass meine Babys Frühchen werden und Physiotherapie brauchen würden, ahnte ich damals noch nicht. Dieser eine Termin in der Woche reichte uns dicke. Wir waren einmal beim Babyschwimmen. Eigentlich war es ganz nett. Aber der Aufwand mit zwei Babies für 30 Minuten im Wasser war einfach zu krass. Seit dem gehen wir schwimmen, wann und wo wir wollen — eben ohne Animation.

Kam diese Entscheidung irgendwann einmal ins wanken?
Als ich mit der Rückbildungsgymnastik begann, traf mich der Schlag. Alle — wirklich alle — Mütter, hatten ihre Kleinen schon zu mindestens zwei Kursen angemeldet. Es ging in den Gesprächen nur darum, wer welchen Kurs besucht und welcher besser ist für die Entwicklung der Kinder. Muddi-Fight vom feinsten, natürlich mit charmantem Lächeln im Gesicht. Wenn ich sagte, dass wir gar nichts machen außer Physio, wurde ich sehr skeptisch beäugt. Kurz flackerte in mir der Gedanke auf, dass ich vielleicht doch eine Rabenmutter bin und meinen Kindern etwas vorenthalte. Aber das verging zum Glück recht schnell wieder und ich konnte mich in den folgenden Wochen über das Wetteifern der anderen Muddis nur noch amüsieren.

Was hab ich denn bloß gegen diese Baby-Kurse?
Absolut gar nichts! Das Angebot ist toll. Ich bin sicher, dass es vielen Kindern etwas bringt. Und jeder soll sie besuchen, der Spaß daran hat. Mich stört nur, dass es so häufig überhaupt nicht um Spaß geht. Die Gesellschaft macht einem vor, dass aus unseren Kindern nur etwas werden kann, wenn wir sie zu möglichst vielen Kursen schleppen. Mütter setzen sich unter Druck und geraten vor lauter Kurs-Manie in totalen Stress. Das finde ich gestört! Man kann sich ja kaum noch privat mit anderen Müttern und deren Babies treffen. Sie haben einfach nie Zeit, weil sie von einem Kurs zum anderen hetzen. Das ist schon sehr bedenklich.

Was ist mein Fazit?
Atmet bitte alle einmal durch und entspannt Euch! Macht alle Kurse, auf die ihr und Eure Zwillis Lust haben. Wenn es Euch aber stresst, lasst es doch einfach sein — ohne schlechtes Gewissen! Mit Creme matschen und nackt strampeln könnt ihr auch in Ruhe zu Hause. Ich musste mich manchmal rechtfertigen und habe es doch nie bereut. Meine Mädels kommen super mit anderen Kindern klar und haben auch motorisch alles aufgeholt. Also läuft es mal wieder auf eines hinaus: Hört auf Euren Bauch!

Eure Ella

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2 Gedanken zu „Das Intraview: Baby-Kurse mit Zwillingen

  1. Ich habe schon bei instagram kurz geschrieben, kann Deinen Post hier voll und ganz unterschrieben!!! Wir sind so glücklich, auch ohne Kurse. Am Wochenende bauen wir eine Schaukel, besser eine Doppelschaukel im Garten auf und freuen uns riesig. Probeschaukeln bei den Großeltern lief nämlich prima. Außer Physiotherapie haben wir bisher keine Kurse besucht und mittlerweile finde ich es sogar richtig. Es wird nur verglichen, analysiert usw. Am Ende pullern alle nochmal in die Mitte und krabbeln drin herum:-) (Nein, Scherz, aber meiner Schwester ist es so ergangen…) und das brauchen wir wirklich nicht. Unsere zwei Jungs haben sich und können sich auch sehr gut miteinander beschäftigen. Gerade wird wieder die Küche unsicher gemacht und mit dem Spielzeug auf den Boden geklopft. Ich denke auch, diese Kurse sind wirklich mehr für Mütter, als für Kinder.

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