Das Intraview: Wie wir unsere Kinder beeinflussen

Ein Kind zu bekommen (oder eben zwei) ist das Schönste auf der Welt. Es ist aber auch der Beginn einer riesigen Verantwortung. Und damit meine ich nicht, gut auf das Kind aufzupassen und es zu beschützen. Ich meine die Verantwortung, die wir für jede einzelne unserer Taten tragen. Weil alles, was wir tun, unsere Kinder beeinflusst und mitbestimmt, was später aus ihnen wird. Diese Verantwortung lässt mich manchmal erschaudern. Warum erkläre ich Euch im heutigen Intraview.

Was meine ich genau mit dieser Verantwortung?
Als ich unsere kleinen Würmchen kurz nach der Geburt auf dem Arm hielt, wurde mir ganz deutlich bewusst, dass niemand als schlechter Mensch auf die Welt kommt. Diese kleinen Babies sind einfach nur hilflos, lieb und schutzbedürftig. Natürlich sind einige Dinge von der Natur vorgegeben. Aber ein großer Teil des Wesens ist bei der Geburt noch wie eine weiße Leinwand. Und wir als Eltern dürfen den Pinsel schwingen und locker drauf losmalen — ohne uns im Klaren darüber zu sein, was wir damit bewirken. Ist das nicht krass? Wir wissen doch eigentlich gar nicht, was wir alles anrichten können. Was muss passieren, um aus einem kleinen unschuldigen Baby einen verkorksten Erwachsenen zu machen? So einiges wahrscheinlich! Doch es ist bestimmt nicht immer die klischeehaft schreckliche Kindheit mit Eltern, die sich nicht kümmern. Vielleicht reicht es auch, wenn wir Eltern unbedacht und ohne böse Absicht immer wieder Dinge sagen und tun, die den Charakter unserer Kinder beeinflusst.

Was kann das zum Beispiel sein?
Seit wir die Mäuse haben, denke ich auch viel über mich nach. Wie bin ich eigentlich so geworden, wie ich heute bin? Und mir ist klar geworden, dass ein großer Teil das Ergebnis dessen ist, wie meine Eltern mit mir umgegangen sind. Meine Eltern haben mir immer vertraut und mir viel zugetraut. Also traue auch ich mir heute viel zu. Sie haben mich schon als kleines Kind ernst genommen und respektiert. Meine Meinung zählte immer und es gab nie diese typischen „wir sind die Erwachsenen“-Sprüche. Entsprechend habe auch ich meine Eltern immer respektiert und wäre beispielsweise im Leben nie auf die Idee gekommen, ihnen im Streit irgendwelche Schimpfwörter an den Kopf zu werfen. Meine Eltern waren aber auch immer sehr besorgt um mich und nachdem ich mir mit vier Jahren beide Arme gebrochen hatte, hörte ich von meinem Vater zu jeder Gelegenheit „Pass auf! Sei vorsichtig!“. Ich wurde ein richtiges Schisserkind und hatte vor allem Angst, bei dem ich mir wehtun könnte. Und wisst ihr was: Ich kann meinem Vater gar keinen Vorwurf machen, weil er es nur gut gemeint hat. Und doch hat es mich beeinflusst. Diese Macht, die wir als Eltern haben, möchte ich mir immer wieder vor Augen führen.

Hat diese Erkenntnis Einfluss auf mein tägliches Handeln?
Oh ja. Zum Beispiel bin ich oft ziemlich unzufrieden mit mir — wie wohl viele Frauen. Dann steh ich vorm Spiegel, zupfe an meinen Klamotten rum und finde mich einfach nur doof. Solche Tage gibt es. Und früher habe ich dem freien Lauf gelassen und meinen Mann mit meinen Schimpfereien in den Wahnsinn getrieben. Heute überlege ich mir drei Mal, was ich sage, wenn die Kinder dabei sind. Ich möchte einfach nicht, dass sie aus meinem Gemecker über mich die falschen Schlüsse ziehen. Nach dem Motto: „Wenn Mama so streng mit sich ist, findet sie mich bestimmt auch nicht in Ordnung.“ Ich versuche einfach zu vermeiden, meinen Kindern das Gefühl zu geben, dass mit ihnen etwas nicht stimmt; sowohl körperlich als auch vom Wesen.  Denn das wäre für mich wirklich das Schlimmste. Ich wünsche mir, dass meine Mädels sich lieben lernen und zufrieden durch die Welt gehen können, ohne unsinnige Komplexe.

Lässt sich das immer durchhalten?
Sicher nicht. Während ich bei einer Sache auf meine Worte achte, mache ich bestimmt gleichzeitig an drei anderen Stellen etwas total Unbedachtes. So ist das halt. Das muss ich aushalten. Ich habe einfach nur einen heiden Respekt davor, welchen Einfluss wir auf unsere Kinder haben. Und ich finde, als Eltern haben wir die Pflicht, uns das immer wieder bewusst zu machen. Mehr können wir wohl nicht tun.

Eure Ella

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s