Spieglein, Spielein an der Wand

Für viele Einlinge ist am Anfang alles aufregend, was mit anderen Babies zu tun hat: andere Babies beobachten, Körperkontakt, Geschrei… Unsere Mäuse hat all das recht wenig gejuckt. Schließlich kannten sie es nicht anders, als dass immer ein anderes Baby um sie herum war. Genauso unspektakulär fanden sie ihr Spiegelbild.

Während viele andere Babies regelrecht ausgerastet sind, wenn sie dieses vermeintlich fremde Kind im Spiegel entdeckten, haben unsere Mädels von Anfang an nur müde gelächelt. Erst dachte ich, sie würden sich einfach nicht dafür interessieren. Etwas später wurde mir klar, dass sie davon ausgingen, sie würden ihre Schwester sehen. Ihr Spiegelbild fanden sie deshalb nicht im geringsten spannend und beachteten es kaum. Was sie wirklich irritiert hat, war ich: Warum ist Mama da mit meiner Schwester zu sehen, obwohl sie mich doch gerade auf dem Arm hat? Das war ganz offensichtlich die quälendste Frage. Deshalb fingen unsere Mäuse auch später nicht damit an, ihr eigenes Spiegelbild anzufassen. Sie griffen nach meinem und verglichen ungläubig die echte Mama mit dieser komischen Mama im Fenster. Das war wirklich zu niedlich! Und es zeigt, dass unsere Mädels selbst darauf reingefallen sind, dass sie sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Schließlich wussten sie ja nicht, wie sie selbst aussehen. Sie haben ihre Schwester in sich selbst erkannt. 🙂

Ihr eigenes Bild wurde für die Mäuse erst dann spannend, als wir den Schwierigkeitsgrad erhöhten: Wir stellten einfach beide gemeinsam vor den Spiegel. Da war die Verwirrung perfekt. Zwei Mädchen im Fenster? Beide sehen gleich aus? Da begann es im Kopf zu rattern. Und wie bei Daniel Düsentrieb konnte man fast sehen, wie nach einiger Zeit eine Glühbirne über ihren Köpfen leuchtete. Ihnen wurde plötzlich klar, dass sie gleich aussehen. Und sie haben sich tierisch über diese Erkenntnis gefreut. Sie fingen an, sich zu küssen — in echt und im Spiegel. Und sie konnten gar nicht mehr aufhören, zu lachen und vor sich hin zu brabbeln. Sie tauschten ständig ihre Plätze vorm Spiegel und klatschten in die Hände. Das war einfach zu schön zu beobachten. Wieder ein Moment, der das Leben als Zwillingsmama so besonders macht!

Eure Ella

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Ein Gedanke zu „Spieglein, Spielein an der Wand

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