Zwillingerig extreme: das Interview IV

Es ist mal wieder Interviewzeit. Zeit für ein Gespräch mit einer Zwillingsmutter, die eine ganz besondere Geschichte hat. Nach Jutta, Bille und Lena spreche ich heute mit Amanda. Amanda ist 22 Jahre alt, lesbisch und Mama von 21 Monate alten Zwillingsmädchen. Wie das zusammenpasst und wie ihr Umfeld damit umgeht, erfahrt ihr jetzt.


Wann hast du gemerkt, dass du lesbisch bist?
Amanda: Ich habe schon länger Frauen hinterher geschaut. Bis zu meiner Schwangerschaft hatte ich aber ausschließlich Beziehungen zu Männern. Das erste Mal richtig in eine Frau verliebt habe ich mich kurz nachdem ich das letzte Mal Sex mit einem Mann hatte. Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch nicht geahnt, dass ich schwanger bin — ausgerechnet von diesem letzten Mal.

Hast du dir immer Kinder gewünscht? 
Amanda: Ich habe ziemlich früh gesagt, dass ich Kinder will. Ich hätte mir aber gewünscht, dass es mit dem oder der Richtigen passiert wäre. Geplant waren meine Mäuse nicht, denn ich war nicht mit dem Vater der Kinder zusammen. Ganz grob gesagt, war es ein Unfall.

Erinnerst du dich noch an deinen ersten Gedanken, als du erfahren hast, dass du schwanger bist? 
Amanda: Ich war geschockt und hatte Angst, was meine damalige Freundin sagen würde. Ich wusste, dass sie eigentlich keine Kinder wollte. Und ich hatte Angst, dass ich es alleine nicht schaffe. Beim ersten Frauenarztbesuch hat man noch nicht gesehen, dass es Zwillinge werden. Beim zweiten Mal war meine Freundin dabei — sie selbst ist auch Zwilling — und sie hat es vor mir auf dem Bildschirm gesehen und wäre fast umgekippt. Ich war erfreut und geschockt zugleich. Aber mir war von Anfang an klar, dass ich die beiden bekomme. Ich könnte es nicht übers Herz bringen ein Baby weg machen zu lassen, egal in welcher Lage ich bin.

Wie hat der Vater deiner Mäuse auf die Nachricht reagiert?
Amanda: Er hat erst gemeint, wie toll er das gemacht hätte. Kurz darauf hat er den Kontakt einfach abgebrochen. Die ganze Schwangerschaft über habe ich nichts mehr von ihm gehört. Die Mädels haben ihren Vater bisher nur einmal gesehen. Ich fände es schön, wenn sie Kontakt zu ihm hätten. Aber man kann ihn ja nicht dazu zwingen.

Was war das Schönste, was die Schwangerschaft in deinem Leben verändert hat?
Amanda: Als ich schwanger wurde, hatte ich wegen eines doofen Streits keinen Kontakt zu meiner Mutter. Doch als ich ihr von den Babies erzählt habe, war sie zwar geschockt, hat sich aber trotzdem sofort gefreut. Heute verstehen wir uns besser als je zuvor. Meine Mama steht hinter mir und unterstützt mich wo es nur geht, dafür bin ich ihr wirklich dankbar. Wenn ich mich überfordert fühlte, habe ich meist die Mädels eingepackt und bin zu meiner Mama gefahren. Dort war dann alles wieder gut.

Was bedeutet es dir, Mama von Zwillingen zu sein?
Amanda: Es bedeutet mir sehr viel. Ich kann miterleben, wie sie gemeinsam groß werden und immer jemanden zum Spielen haben. Das Tollste ist, dass man schon Glücksgefühle hat, wenn sie einen nur anlächeln, umarmen oder küssen. Ich durfte meine Kinder erst zwei Tage nach der Geburt auf den Arm nehmen. Das war schrecklich für mich und im Krankenhaus kamen keine richtigen Muttergefühle auf. Ich fühlte mich irgendwie immer wie eine Besucherin. Ich bin so froh, dass wir das alles zuhause ganz schnell hinter und lassen konnten.

Hast du in deinem Umfeld als lesbische Mutter mit Vorurteilen zu kämpfen?
Amanda: Das ist ganz unterschiedlich.Mein Freundeskreis hat sich fast komplett verabschiedet, als ich schwanger wurde. Aber daran merkt man erst, wer wahre Freunde sind. Aus meiner Verwandtschaft wissen nicht so viele, dass ich lesbisch bin. Meine Mama meinte nur, solange sie Oma wird, ist für sie alles okay und sie hat mich immer unterstützt. Die älteren Generationen verstehen es meist gar nicht und meinen oft, es sei nur eine Phase. Aber ansonsten werde ich eigentlich akzeptiert und toleriert.

Viele Menschen sagen: Kinder brauchen eine männliche Bezugsperson. Wie siehst du das?
Amanda: Ich finde eine männliche Bezugsperson sehr wichtig, denn meine Mädels hätten sonst bestimmt noch mehr Angst vor Männern. Mein Stiefpapa ist für meine Mäuse die männliche Bezugsperson und die Große liebt ihn abgöttisch.

Inwiefern beeinflussen die Kinder deine Partnerwahl?
Amanda: Im Moment habe ich keine Freundin. Es ist auch nicht leicht, weil viele Frauen in meinem Alter viel feiern und nicht zuhause sitzen wollen. Egal was kommt: Wenn meine Mädels eine Frau nicht mögen, kommt sie als Partnerin für mich nicht in Frage. Und sie muss meine Kids akzeptieren und mit ihnen klar kommen. Bis ich schwanger wurde hatte ich eigentlich keine richtigen Pläne fürs Leben — außer den perfekten Mann/die perfekte Frau zu finden. Und das ist ja jetzt auch noch möglich.

Wie stellst du dir deine Zukunft vor? 
Amanda: Vor der Zukunft habe ich keine Angst, denn es kann ja nur besser werden als es jetzt ist. Als erstes kommt ein Umzug, dann kommen die Mädels in die Kinderkrippe und ich möchte wieder arbeiten gehen. Und wenn ich dann irgendwann die richtige Frau gefunden habe, möchte ich auch noch ein Kind.

Was möchtest du deinen Kindern über Liebe mit auf den Weg geben?
Amanda: Egal wen man liebt, ob Frau oder Mann, man kann glücklich sein.

Ich danke dir vielmals für deine Offenheit, liebe Amanda. Es ist bewundernswert, wie du das mit deinen Mäusen meisterst. Hut ab und weiterhin alles erdenklich Gute!

Eure Ella
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