Wasserstand: Oberkante Unterlippe

Kita-Eingewöhnung ist ja eine Sache für sich: Bei den einen flutscht es wie ein Zäpfchen und bei den anderen ist der Weg eher holperig. Ich hatte große Hoffnung, dass es bei uns recht einfach wird. Schließlich sind die Mäuse zusammen und haben so immer eine vertraute Person bei sich!. Doch was soll ich sagen? Pustekuchen! Unsere Mäuse haben ihre ganz eigene Vorstellung vom Kita-Leben. Und die deckt sich nicht direkt mit dem, was wir langfristig im Sinn haben. 🙂

Schon in den ersten Tagen dämmerte mir, dass ich die Eingewöhnung latent unterschätzt hatte. Zwar fühlten sich unsere Mäuse direkt wohl und sowohl die Erzieher als auch die anderen Kinder sind ein Träumchen. Doch während mir die beiden zuhause eine Frikadelle ans Ohr quatschen, waren sie in der Kita stumm wie Fische. Sie sprachen kein einziges Wort und beobachteten nur. Und als sie am dritten Tag ihre Sprache langsam wiederfanden, wurde es nicht besser. Denn das einzige Wort, dass sie anfangs benutzten, war nein. Oder eher NEEEEEIIIIIIIN! Sie schleuderten es Erzieher und Erzieherin entgegen, wenn sie versuchten, sie zum Spielen zu animieren. Und sie pöbelten die anderen Kinder an, wenn sie ihnen Hand oder Küsschen geben wollten. Was war bloß mit meinen süßen kleinen Mädchen los, die jeden freundlich begrüßen und immer höflich und gut drauf sind? Ich erkannte meine eigenen Kinder kaum wieder.

Doch die Diagnose war schnell gestellt. Die Erzieherin meinte ganz trocken: „Eure Mädels sind einfach schon zu clever für eine widerstandslose Eingewöhnung.“ Wahrscheinlich wäre es vor ein paar Monaten noch viel einfacher gewesen. Heute hinterfragen sie alles und haben einen starken Willen. Von der ersten Minute an beobachteten unsere Mädels alles mit Adleraugen. So haben sie beispielsweise aus Mitleid fast geweint, weil ein anderes Mädchen sich nicht von ihrem Papa trennen wollte. Während dessen hat der kleine Max, der auch gerade in der Eingewöhnung ist, total vertieft mit Duplo gespielt. Ich könnte schwören, dass er nicht einmal mitbekommen hat, dass überhaupt jemand gekommen ist. Doch unsere Mäuse hatten keine Zeit zum Spielen. Sie mussten beobachten! Und so wussten sie schon nach zwei Tagen ganz genau, worauf das ganze hinauslaufen soll. Und das galt es um jeden Preis zu verhindern. 🙂

Die Folge: Ich verbrachte meine kompletten zwei Wochen Urlaub in der Kita. Wenn ich mal rausging, schrieen beide wie am Spieß — so lange bis ich wieder da war. Dass die beiden sich gegenseitig beruhigen würden, war ein absoluter Trugschluss. Im Gegenteil: Wenn eine sich kurz beruhigt, fängt sie direkt wieder an, weil die Schwester weint. Sie schaukeln sich gegenseitig hoch. Länger als zehn Minuten konnte ich den Raum nicht verlassen. Dann waren sowohl meine Kinder als auch die Erzieher gar gekocht ;-). Wenn ich wieder rein kam, schluchzten beide anfangs herzzerreißend und waren kaum zu beruhigen. Nach einigen Tagen schlug das Schreien von Trauer in Protest und Wut um. Wenn ich zurück in den Gruppenraum trat, kam die kleine Schwester gar nicht mehr zu mir. Sie ging wütend zu einem Stuhl, zeigte drauf und meckerte in Dauerschleife: „Mama daaaa sitzen!!!“ Es geht also nur darum, dass Mama gefälligst im Raum zu bleiben hat, wie Mesdames es sich wünschen :). Zuhause erzählen die beiden dann Oma ganz fröhlich von der Kita und wollen auch am nächsten Morgen unbedingt wieder hin! …nur Mama oder Papa sollen eben dabei bleiben und den Spaß mitmachen.

Mein Urlaub ist seit Montag vorbei und unsere dritte Woche Eingewöhnung geht heute zu Ende. Papa hat den Job übernommen und fährt jetzt sogar schonmal weg. Doch der Anruf der Erzieherin kommt spätesten nach einer Stunde, weil sich mindestens eine meiner Töchter nicht beruhigen lassen will. Mal sehen, wie es weitergeht. Zum Glück haben wir alle Zeit der Welt, weil mein Mann erst am Nachmittag anfängt zu arbeiten. Es beruhigt mich, dass die Mäuse die Kita toll finden, jeden Tag mit Begeisterung hingehen und auch schön spielen. Es muss nur noch einmal Klick machen, dass sie all das auch ohne Mama und Papa genießen können. Und heimlich finde ich es ja auch ein kleines bisschen cool, dass unsere Mädels so einen starken Willen haben, den sie unbedingt durchdrücken wollen 😉 Wir kriegen sie schon noch irgendwann überzeugt. Drückt uns die Daumen!

Was sind eure Zwille-Eingewöhnungs-Erfahrungen?

Eure Ella

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2 Gedanken zu „Wasserstand: Oberkante Unterlippe

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