Das Intraview: Working-Mom auf Tour

Ich werde nicht müde zu betonen: Mir tut es gut, neben meinem Mama-Dasein auch erfolgreich im Beruf zu sein. Und dazu gehört eben auch hin und und wieder mal eine Geschäftsreise. Letzte Woche war es soweit. Wie es mir damit ging, erfahrt ihr im heutigen Intraview…

Gehören Geschäftsreisen zu meinem Arbeitsalltag?
Zum Glück nicht sehr häufig. Ich kann mir ziemlich frei einteilen, wann ich wohin reise — und wie oft überhaupt. Das ist sehr angenehm. Das letzte Mal war ich unterwegs, als die Mäuse knapp ein Jahr alt waren. Das ging völlig problemlos und ich hatte auch kein schlechtes Gewissen. So richtig haben die Mädels damals noch gar nicht verstanden, was los ist. Aber dieses Mal war es anders.

Was war denn anders?
Erstmal bekommen die Mädels inzwischen alles ganz genau mit. Sie hinterfragen viel und spüren sofort, wenn irgendetwas im Busch ist. Durch die ganze Umstellung mit der Kita-Eingewöhnung waren die Mäuse in den letzten Wochen zusätzlich noch extrem Mama-bezogen. So anhänglich kenne ich sie gar nicht. Ich durfte nicht einmal auf Toilette gehen, ohne dass sie weinten, als würde ich sie für immer verlassen. Auch beim Schlafengehen war immer Mama gefragt und sie haben sich jeden Abend mehrmals davon überzeugt, dass ich wirklich noch da bin. Schon der Gedanke daran, dass ich nun drei Abende nicht da sein würde, hat mir wirklich zu schaffen gemacht. Die Mäuse taten mir leid, weil ich Angst hatte, dass sie traurig sind. Und ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil meine Mutter dann drei Nachmittage und Abende mit den jammernden Kindern allein sein würde (Hatte ich schonmal erwähnt? Mein Mann arbeitet in der Woche bis 20 Uhr).

Und wie kam es dann?
Kurz bevor das Taxi mich abholen sollte, war ich richtig aufgeregt. Ich hatte mir gar nicht überlegt, was ich den Mädels erzähle. Sage ich ihnen, dass ich länger weg sein werde? Ne, das habe ich nicht übers Herz gebracht. Wahrscheinlich können sie mit der Info auch noch gar nichts anfangen. Also haben wir uns für „Mama muss arbeiten“ entschieden — der Klassiker, den die Kinder von den morgendlichen Verabschiedungen bestens kennen. Zusammen mit Oma haben beide am Fenster gewinkt* und entgegen meiner Befürchtungen, lief alles super! Die Mäuse haben gar nicht geweint und ließen sich ohne Murren von Oma ins Bett bringen. Auch die nächsten Tage waren sie bestens drauf. Wenn sie mal nach Mama gefragt haben, hieß es einfach „Mama ist doch arbeiten“. Das ließen sie gelten.

Und wie ging es mir dabei?
Ganz ehrlich: Ich war überhaupt nicht traurig, dass sie mich nicht so sehr vermissten, wie ich erwartet hätte. Im Gegenteil. Es war für mich ein riesige Erleichterung! Mit traurigen Kindern zuhause, hätte ich meinen Kongress überhaupt nicht genießen können. Natürlich habe ich sie unendlich vermisst. Und wenn ich Mamas mit Kindern gesehen habe, hatte ich direkt einen Kloß im Hals. Aber die Gewissheit, dass sie nicht leiden, weil ich mich in der Weltgeschichte rumtreibe, hat mir eine große Last von den Schultern genommen.

Was habe ich in diesen Tagen über meine Kinder gelernt?
Mir ist noch einmal ganz deutlich geworden, dass meine Mädels ganz klare Informationen brauchen. Mit Aussagen wie „Mama kommt bald wieder“ können sie überhaupt nichts anfangen! Das war schon in der Kita so. Wenn ich rausgegangen bin und die Erzieherin gesagt hat, ich käme gleich wieder, dann war aber was los. Dann schrieen sie panisch wie am Spieß und hörten erst wieder auf, wenn ich zurück war (selbst wenn das 30 Minuten dauert!). Zuhause war das auch so, wenn Oma auf die beiden aufgepasst hat. Aber was soll das auch heißen „kommt bald wieder“? Wahrscheinlich verstehen wir das nur, weil wir schon häufig die Erfahrung gemacht haben, was damit gemeint ist. Für die kleinen Mäuse ist die Aussage zu wage und sie kriegen Angst. Sagt man ihnen jedoch einfach „Mama ist arbeiten“, dann nicken sie, sagen „Ja, Mama arbeitet“ und spielen beruhigt weiter. Das ist mal wieder eine Erkenntnis, die ich total spannend finde. Und beruhigend. Immerhin wissen wir jetzt, dass wir ihnen keine vermeintlichen Versprechungen machen müssen, sondern einfach nur ganz klar sagen, wo wir sind.

Im Oktober geht es noch einmal für zwei Tage weg. Mal sehen, wie es dann wird.

Eure Ella

*kleines sprachliches Thema am Rande: Ich weiß, dass ‚gewinkt‘ richtig ist. Aber warum bloß? ‚gewunken‘ klingt für mich so viel richtiger!!! 😉

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