Das Intraview: #Vereinbarkeit

In letzter Zeit schreiben wieder viele Mama über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ich habe Euch schon vor längerer Zeit berichtet, wie ich nach dem Mutterschutz wieder zu arbeiten anfing und dass mich trotz aller Zufriedenheit immer wieder das schlechte Gewissen quält. Im Intraview gibt es heut noch ein paar aktuelle Gedanken zum Thema.

Hat sich meine Einstellung zur Arbeit in den letzten Monaten geändert?
Nicht grundsätzlich. Alles, was ich damals berichtet habe, stimmt auch noch heute. Ich mag meine Arbeit und brauche sie für mein Selbstbewusstsein. Aber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird mit der Zeit nicht einfacher. Man merkt einfach irgendwann, dass es keine Phase ist, sondern jetzt immer so weiter geht. Und die Ansprüche steigen — auf allen Seiten.

Was ich damit meine?
Nach einem Jahr, in dem ich wieder 30 Stunden arbeite, haben sich alle daran gewöhnt, dass ich zurück bin. Das bedeutet auch, dass ich wieder voll in Beschlag genommen werden. Die Schonfrist für Mamis mit Babies ist für mich eindeutig abgelaufen. Und manchmal fehlen mir einfach die 20 Stunden pro Woche, die ich früher locker mehr gearbeitet habe. Den gleichen Job, die gleiche Anzahl Mitarbeiter und die gleiche Verantwortung zu haben und dafür doch erheblich viel weniger Zeit investieren zu können, ist nicht immer einfach. Dinge schleifen zu lassen, kommt für mich nicht in Frage. Und so fällt es mir sichtlich schwerer, jeden Tag rechtzeitig den Absprung aus dem Büro zu schaffen. Während gleichzeitig das Bedürfnis wächst, ganz viel Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, die inzwischen ganz genau merken, wo Mama ist und wann sie nachhause kommt.

Wie ich das löse?
Oft schließe ich mit mir selbst einen Deal, wenn sich meine Arbeitszeit dem Ende neigt: Eine wichtige Sache mache ich noch fertig und dann gehe ich, egal was noch anliegt. Das klappt zwar meistens, macht den Zwiespalt aber auch nicht wirklich besser. Ich gehe eine Viertelstunde später, manchmal auch eine Halbe. Das Gefühl, nicht alles geschafft zu haben, bleibt trotzdem. Und sobald ich im Auto sitze, packt mich das Mami-Dasein mit voller Wucht — und damit auch das schlechte Gewissen. Dann bereue ich, dass ich wieder diese Minuten länger geblieben und nicht einfach pünktlich gegangen bin. Dann wünsche ich mir einen Job, bei dem ich einfach den Stift fallen lassen und das Büro verlassen kann — ohne 24/7-Bereitschaft und ohne größere Verantwortung. Dieses Gefühl ist dann so präsent und drängend, dass es schmerzt. Doch wenn sich die erste Aufregung gelegt hat und ich zuhause meine Mäuse in die Arme nehme, ist alles wieder gut.

Niemand sagt, dass es einfach ist, auf Dauer seine Arbeit und die Familie in der richtigen Balance zu halten. Es verlangt mir eine Menge ab, besonders emotional. Und wahrscheinlich werde mich nie ganz an diese Zerrissenheit gewöhnen. Aber wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, weiß ich, dass es keine Alternative gibt. Weil ich auf keinen der beiden Teile meines Lebens verzichten könnte. Und weil genau diese zwei Poole mich zu dem machen, was ich bin.

Eure Ella

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