Freigang

Meine Kinder leben nicht mehr hinter Gittern – zumindest was ihre Betten angeht. Nach unserem Sylt-Urlaub haben sie großspurig verkündet, dass sie jetzt große Mädchen seien. Gesagt, getan…

Gestern hat mein Mann die Betten umgebaut und wir haben die Chance genutzt, direkt mal das Doppelbett aufzulösen. Bisher standen die Gitterbetten der Mädels immer nebeneinander und wir wollten sie nun über Eck an die Wand stellen, Köpfe oben zusammen. Diese Umstellung wollte ich ihnen versüßen, in dem ich ihnen einen schicken Nachttisch versprochen und aufgebaut habe. Tja, da gab es das erste Problem. Sprachlicher Natur… Die Mädels waren maßlos enttäuscht als wir ins Zimmer kamen und riefen entgeistert: „Wo ist der Nachtisch???“ Sie hatten mit einer Süßspeise gerechnet und nicht mit einem schnöden Pressholztisch. Das kann man ja fast verstehen 😉 Nachdem ich meinen Lachkrampf im Griff hatte, habe ich also noch ein Stück Schoki aus dem Hut gezaubert, um die Bande zu besänftigen. Die Mädels können ja schließlich nichts für Mamas vermeintlich leere Versprechungen.

Nachdem also der erste Sturm der Entrüstung abgeflaut war, schien die Sache ein Erfolg zu werden. Bücher lesen, Singen, klappte alles reibungslos. Und dann stimmten beide aus heiterem Himmel in ein synchrones Geschrei des Todes ein: „Neeein Mama, nicht so schlafen. Nebeneinander liegen!!!“ Sie haben sich gar nicht mehr eingekriegt und mir war klar: So wird das nichts mit der Nachtruhe. Also habe ich kurzerhand die Betten nochmal umgebaut und wieder zusammengeschoben. Die beiden waren seelig mit ihrem Ehebett und Mama war glücklich, dass sie tatsächlich einschliefen, ohne aufzustehen und rumzurennen.

Apropos: Dass diese Möglichkeit jetzt besteht, hatte ich den Mädels natürlich verschwiegen. Da würden sie schon früh genug drauf kommen. Ich traf nur eine wichtige Vorkehrung für kleine Schlafwandler, indem ich ein Nachtlicht neben der Tür anbrachte. Bisher haben die Mäuse nämlich immer ganz im Dunklen geschlafen und ich wollte blaue Flecken und Platzwunden dann doch lieber vermeiden (auch aus Selbstschutz).

Alles lief prima! Als ich am Abend nochmal ins Zimmer luscherte, lag die kleine Schwester halb auf der großen drauf, aber das schien beide nicht weiter zu stören. Und ich hätte fast einen Zuckerschock bekommen, weil das so unendlich niedlich aussah. Um halb drei heute Nacht wurde ich dann geweckt – von ganz leisen Mama-Rufen. Sie kamen nicht über das Babyphone. Mir wusste gleich, was das bedeutet: Ein Kind ist ausgebüxt! Ich öffnete die Schlafzimmertür (unsere Türen sind immer zu, damit der Kater nicht reinkommt) und tatsächlich: Da stand die große Schwester im stockfinsteren Flur am Treppengitter und hat immer nach unten gerufen. Geweint hat sie nicht, aber es sah trotzdem so traurig und gleichzeitig niedlich aus. Hab sie ganz doll geknuddelt und dann doch aufgeklärt: Wenn sie aufwacht, am besten im Zimmer rufen, da höre ich es übers Babyphone. Oder aber direkt zu unserem Schlafzimmer tigern (bitte nicht so oft ;-)). Ich bin gespannt, welche Variante sie sich künftig zu Herzen nimmt. Auf jeden Fall konnte ich sie wieder hinlegen und der Rest der Nacht verlief vollkommen ruhig.

Das Experiment Große-Kinder-ohne-Gitter ist also fürs Erste geglückt: niemand raus gekullert, keine ausgestochenen Augen oder verrenkte Glieder von zu engem Kuscheln und auch keine durchzechte Nacht . Heute morgen waren sich beide einig: „Mama, nochmal so schlafen!“ Das machen wir dann doch direkt mal…

Eure Ella

 

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2 Gedanken zu „Freigang

  1. Liebe Ella!
    So süss Deine zwei 🙂
    Wir haben grad eine ähnliche Phase – Unser Junge sprang mit seinen 22 Monaten plötzlich dauernd aus dem Bett und so entschieden wir uns die Schlupfsprossen rauszunehmen. Das gibt ganz schön Aufregung beim ins Bett gehen *hihi* Mal sehen, wie sich das einspielt.
    Viele gute Nächte mit Wien vogelfrei Mädels, liebe Grüße Alexandra

    Gefällt 1 Person

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